Archiv 9. März 2020

Feuerwehr Neckarsulm schreibt Bedarfsplan bis 2025 fort

Neu- und Ersatzbeschaffungen im Umfang von 784.000 Euro geplant

Die Freiwillige Feuerwehr Neckarsulm mit ihren drei Abteilungen kann den Brandschutz der Bevölkerung und die Technische Hilfeleistung auf örtlicher und überörtlicher Ebene rund um die Uhr gewährleisten. Um die Leistungsfähigkeit in gleichem Umfang aufrecht zu erhalten, muss die Feuerwehr jedoch in den kommenden fünf Jahren zusätzliche Mitglieder gewinnen. Zu diesem Ergebnis gelangt die zweite Fortschreibung des Feuerwehrbedarfsplans 2020, die der Gemeinderat zustimmend zur Kenntnis nahm. Mittelfristig empfiehlt der aktuelle Bedarfsplan Neu- und Ersatzbeschaffungen im Umfang von 784.000 Euro.

Der Bedarfsplan dokumentiert den aktuellen Stand der Leistungsfähigkeit der Feuerwehr Neckarsulm und definiert die erforderlichen Mittel zur Gefahrenabwehr. Er wird alle fünf Jahre fortgeschrieben. Auch die zweite Fortschreibung stammt von Fabian Müller, dem Leiter der Integrierten Leitstelle bei der Berufsfeuerwehr Stuttgart. Der Verfasser ist langjähriges Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Neckarsulm und erläuterte den aktuellen Bedarfsplan im Gemeinderat.

Bei der Gesamtpersonalstärke stellt der Bedarfsplan ein Defizit von 16 Feuerwehrangehörigen fest. Die Personalstärke ist nahezu konstant und liegt derzeit bei 104 Mitgliedern. Benötigt werden vor allem weitere Atemschutz-Geräteträger. Außerdem besteht weiterhin Bedarf im hauptamtlichen Bereich, der analytisch zu betrachten ist. Insgesamt wird empfohlen, eine Arbeitsgruppe „Personalerhaltung und -gewinnung“ zu gründen. Sie soll ein ganzheitliches Personalkonzept entwickeln, um neue Feuerwehrangehörige mit gezielten Maßnahmen zu werben sowie den Aufgabenumfang im hauptamtlichen Bereich zu analysieren. Im Ergebnis könnte daraus der Bedarf für eine weitere hauptamtliche Stelle resultieren.

Abteilungen der Jugendfeuerwehr sollen zusammengelegt werden  

Auch ehrenamtlichen Nachwuchs zu gewinnen, stellt eine wachsende Herausforderung dar. Die Mitgliederzahlen der Jugendfeuerwehr, aus der die Feuerwehr die meisten neuen Mitglieder für den aktiven Dienst rekrutiert, sind leicht rückläufig. Daher schlägt der Bedarfsplan vor, die bislang getrennten Jugendabteilungen Neckarsulm/Dahenfeld und Obereisesheim zusammenzulegen. Dann könnte die Ausbildung nach Altersgruppen getrennt und effizienter gestaltet werden. Denkbar wäre eine Trennung in Kinder bis 14 Jahre, die spielerisch an Feuerwehrthemen herangeführt werden, und Jugendliche ab 15 Jahren, die sich bereits auf die Übernahme in den aktiven Einsatzdienst vorbereiten.

Zentraler Bestandteil des Bedarfsplans sind die Neu- und Wiederbeschaffungsmaßnahmen. Neu zu beschaffen ist ein zweiter Mannschaftstransportwagen zum Personen- beziehungsweise Materialtransport. Dieses Kleinfahrzeug soll abteilungsübergreifend eingesetzt werden und unter anderem zum regelmäßigen Transport von Mitgliedern der gemeinsamen, größeren Jugendabteilung dienen.

Als zweites geländegängiges Fahrzeug soll ein Gerätewagen-Transport mit Trupp-Kabine beschafft werden. Dieses Logistikfahrzeug ersetzt den 35 Jahre alten Schlauchwagen vom Typ SW 2000.

Logistikkonzept wird mit neuen Rollwagenmodulen weiterentwickelt

Mit dem neuen Gerätewagen-Transport kann auch das bestehende Logistikkonzept der Feuerwehr weiterentwickelt werden. Neu geplant sind drei Rollwagenmodule „Unwetter“, je eines pro Abteilung, drei Rollwagenmodule „Vegetationsbrand“, die bei der Abteilung Neckarsulm stationiert werden, und drei Rollwagenmodule „Poolkleidung“ für den abteilungsübergreifenden Einsatz. Die Poolkleidungsmodule ermöglichen den Einsatzkräften, kontaminierte Einsatzkleidung direkt an der Einsatzstelle zu wechseln.

Für dieses Jahr vorgesehen ist die noch ausstehende Beschaffung des Abrollbehälters „Energie“. Diese Maßnahme wurde bereits mit dem Bedarfsplan 2015 beschlossen. Der Abrollbehälter kommt im Rahmen des Wechsellader-Systems zum Einsatz und beinhaltet einen großen Stromgenerator sowie einen Rollwagen mit kleineren Stromerzeugern, Flutlichtstrahlern und Lichtmasten. Mit dieser Ausrüstung kann die Feuerwehr im Falle eines großflächigen Stromausfalls die Energieversorgung provisorisch wieder herstellen. Schließlich soll der vorhandene VW Caddy durch einen neuen kleinen Gerätewagen-Transport ersetzt werden.

Nicht weiterverfolgt wird die Ersatzbeschaffung des Mehrzweckbootes (MZB) der Abteilung Neckarsulm und die Neubeschaffung des Abrollbehälters (AB) „Unterkunft/Führung“, die ursprünglich in Zusammenarbeit mit dem Landkreis vorgesehen war. Beide Maßnahmen waren in der ersten Fortschreibung des Bedarfsplans 2015 enthalten.

Das MZB wurde inzwischen generalüberholt und kann weiter eingesetzt werden. Anstelle des AB „Unterkunft/Führung“ kann im Bedarfsfall der Abrollbehälter „Aufenthalt“ oder „Führung“ der Feuerwehr Heilbronn angefordert werden. Durch den Verzicht auf diese beiden Beschaffungen können insgesamt 80.000 Euro einspart werden.

Darüber hinaus enthält der aktuelle Bedarfsplan Vorschläge, um die bauliche Situation zu verbessern. So wird empfohlen, das Feuerwehrhaus Obereisesheim bis 2025 zu erweitern. Um die Zufahrt zur Feuerwache Neckarsulm in der Seestraße zu erleichtern, soll eine Neuarrondierung geprüft werden. Die Zufahrt könnte mittelfristig über das städtische Grundstück Seestraße 5 führen. Dies böte die Möglichkeit, die Halle Nord im Bereich der bestehenden Zufahrt um einen Stellplatz für Abrollbehälter zu erweitern.  Quelle Text: (snp)            

Tunnelbrände im Einsatzgebiet der Feuerwehr Neckarsulm

Aufgrund von Tunneleinsätzen richten sich die Feuerwehren auf besonders personalintensive und arbeitsaufwändige Einsätze ein. Spezielle Übungsdienste und Ausbildungen sind Grundvoraussetzungen, um erfolgreich solche Einsätze in Tunneln zu bewältigen. Im Stadtgebiet Neckarsulms befinden sich keine Straßen- oder Eisenbahntunnel. Das Einsatzgebiet der Feuerwehr Neckarsulm umfasst allerdings zwei Straßentunnel, die im Falle eines Einsatzes (Überlandhilfe) angefahren werden. Hierzu zählen der Autobahntunnel der A81 bei Eberstadt Hölzern (Länge 470 m / Baujahr 1973) und der Tunnel Schemmelsberg  entlang der B39 (Länge 680 m / Baujahr 1990) bei Erlenbach. Darüber hinaus können auch potenzielle Alarmierungen für ELW2, GW-Mess oder andere Sonderfahrzeuge der Abteilung Neckarsulm im Landkreis Heilbronn dazukommen (Beispiele sind die Eisenbahntunnel bei Gundelsheim, Weinsberg oder Lauffen am Neckar).

In den vergangenen Jahren wurden Großübungen (z.B. Autobahntunnel Hölzern A81, Tunnel Schemmelsberg B39 und Eisenbahntunnel bei Gundelsheim Böttingen) mit den Feuerwehren Heilbronn, Neuenstadt, Weinsberg, Eberstadt und Gundelsheim organisiert. Auch mit der für den Tunnel Schemmelsberg zuständigen Nachbarfeuerwehr Erlenbach wurden schon gemeinsame Dienste abgehalten. Trainiert wurde hierbei das Zusammenarbeiten der einzelnen Feuerwehren, das einsatztaktische Vorgehen und die Koordination an der Einsatzstelle.

Im regulären Übungsdienst der Abteilung Neckarsulm werden die Themen taktisches Vorgehen im Trupp, Brandbekämpfung im Tunnel und Absuchen seit etwa einem halben Jahr intensiv trainiert und ausgebildet – für viele Feuerwehrkameradinnen und Feuerwehrkameraden in Anbetracht der taktischen Vorgaben (Erkundertrupp, Suchtrupp und Trupp zur Brandbekämpfung) eine neue Erfahrung. Erstmalig verstanden werden musste, dass beispielsweise bei alltäglichen Brandeinsätzen (z.B. Wohnungsbrand) eine ganz andere Ausrichtung vorgesehen ist. Deshalb werden auch im Falle eines Einsatzes an Tunneln gleich mehrere Feuerwehren in der Erstphase zu den einzelnen Tunnelportalen alarmiert. Nach AAO (Alarm- und Ausrückeordnung) werden zum Tunnel Hölzern A81 die Feuerwehren Neuenstadt, Eberstadt, Weinsberg, Heilbronn und Neckarsulm alarmiert. Beim Tunnel Schemmelsberg B39 sind es die Wehren aus Erlenbach, Neckarsulm, Weinsberg und Heilbronn.

Hier zeigt sich sehr gut, dass die Feuerwehren einem ständigen Wissenswandel unterliegen – was also heute gelehrt und ausgebildet wird, ist in kurzer Zeit überholt. Das vorhandene Fachwissen muss ständig erneuert bzw. verändert werden. Vor allem das personalintensive Vorgehen bei Tunnelbränden sorgt für einen notwendigen Mehraufwand an Material und Ausrüstung. Durch solche gezielten Übungsdienste und Ausbildungen sind die Feuerwehren sehr gut auf Einsätze in Tunneln vorbereitet und können bei Schadensereignissen schlagkräftig agieren.