Am Samstag, den 20. Juni 2026, fand im Schemelsbergtunnel an der B39 eine großangelegte Katastrophenschutzübung des Landkreises Heilbronn statt. Das anspruchsvolle Szenario umfasste einen schweren Verkehrsunfall im Tunnel mit Folgebrand und starker Verrauchung, was zu einem Massenanfall von Verletzten (MANV) führte. Insgesamt waren rund 250 Einsatzkräfte und 70 Fahrzeuge vor Ort, um die komplexe Lage gemeinsam zu bewältigen. An der Übung waren die Feuerwehr Erlenbach sowie die Feuerwehren aus Weinsberg und Neckarsulm maßgeblich beteiligt. Unterstützt wurden sie durch das Polizeipräsidium Heilbronn, die Integrierte Leitstelle (ILS) und den Tunnelbetreiber. Für die medizinische Rettung, Erstversorgung und den Transport zeichneten sich diverse Rettungsdienst-Einheiten (von DRK und ASB) verantwortlich, während das SLK-Klinikum Gesundbrunnen in Heilbronn als beteiligtes Krankenhaus die strukturierte Aufnahme der Verletzten unter Realbedingungen erprobte.
Lage und Szenario bei Eintreffen
Die Übung startete mit einer realen Alarmierung durch die Integrierte Leitstelle (ILS), woraufhin die beteiligten Einheiten von ihren Feuerwehrhäusern aus mit Sondersignal ausrückten. Um den Tunnel taktisch von beiden Seiten zu erschließen, steuerten die Feuerwehren Erlenbach und Neckarsulm gezielt das Westportal an, während die Einsatzkräfte aus Weinsberg das Ostportal anfuhren.
Vor Ort bot sich den Rettungskräften eine hochkomplexe Schadenslage: Nach der simulierten Kollision mehrerer Fahrzeuge im Tunnelbereich kam es zu einem massiven Brand mit rascher Verrauchung der Hauptröhre. Eine Vielzahl von Personen (dargestellt durch Mimen) war im Tunnel eingeschlossen, teilweise schwer verletzt oder durch die Rauchentwicklung desorientiert. Diese dynamische Lage erforderte ab der ersten Minute eine strikte und strukturierte Koordination zwischen den Kräften an beiden Portalen, dem Rettungsdienst, der Polizei und dem beteiligten Klinikum.
Maßnahmen der Feuerwehr
Die Aufgaben wurden aufgrund der Dimension des Objekts und der Anzahl der Betroffenen auf die verschiedenen Wehren aufgeteilt:
- Brandbekämpfung und Menschenrettung unter Atemschutz: Gemeinsam mit den Kräften aus Neckarsulm übernahm die Feuerwehr Erlenbach den Erstangriff. Dieser erfolgte parallel über zwei Wege: das westliche Tunnelportal und den Rettungsstollen. Mehrere Trupps drangen unter schwerem Atemschutz in die verrauchte Röhre vor, um die Lage zu erkunden, den Brand zu bekämpfen und Personen zu retten. Da der Rettungsstollen den kürzesten und sichersten Weg bot, wurde er zudem primär für die Evakuierung der Betroffenen genutzt.
- Technische Hilfeleistung & Belüftung: Parallel zur Brandbekämpfung wurden durch die Feuerwehr Weinsberg Belüftungsmaßnahmen eingeleitet, um den Tunnel rauchfrei zu bekommen und die Rettungswege zu sichern. Zusätzlich unterstützen sie die Kräfte aus Erlenbach und Neckarsulm bei der Personenrettung.
- Abschnittsleitung & Kommunikation: Es wurden separate Einsatzabschnitte für die Brandbekämpfung, die Personenrettung und den Bereitstellungsraum gebildet. Die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Organisationen wurde über eine gemeinsame Führungsgruppe über den ELW2 des Landkreis Heilbronn koordiniert.
Hand in Hand: Rettungsdienst und Klinikeinbindung
Aufgrund des simulierten Massenanfalls von Verletzten (MANV) arbeiteten die Feuerwehren Hand in Hand mit den Rettungskräften und der medizinischen Infrastruktur der Region:
- Patientenablage & Sichtung (Triage): Die aus dem Tunnel geretteten Personen wurden umgehend an den Rettungsdienst übergeben. Vor Ort wurde eine Patientenablage und ein Behandlungsplatz eingerichtet, an dem die Verunfallten kategorisiert und medizinisch erstversorgt wurden.
- Klinik-Einbindung (SLK-Klinikum Gesundbrunnen): Ein zentraler Bestandteil der Übung war die Patientenevakuierung unter Realbedingungen. Die Mimen und Verletzten wurden nach der Erstversorgung vor Ort durch die Rettungsdienste in das SLK-Klinikum Gesundbrunnen nach Heilbronn verbracht. Das Klinikum war aktiv an der Übung beteiligt und probte dabei intern den Ernstfall für die strukturierte Aufnahme und Schockraum-Versorgung von einem Massenanfall an Verletzten.
- Polizeiliche Maßnahmen: Die Polizei übernahm die weiträumige Absperrung der B39, die Verkehrsleitung für die Rettungsgassen sowie die Registrierung der betroffenen Personen.
Fazit der Übung
Wichtige Erkenntnis: Die Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehren Neckarsulm, Erlenbach und Weinsberg, den Rettungsdiensten, der Polizei sowie dem SLK-Klinikum Gesundbrunnen funktionierte gut. Vom Tunnelportal bis zur Notaufnahme im Krankenhaus konnte die gesamte Rettungskette unter realistischen Bedingungen erfolgreich erprobt werden.
Die gewonnenen Erkenntnisse aus dieser Großübung fließen nun in die kontinuierliche Fortschreibung der Alarm- und Einsatzpläne für den Schemelsbergtunnel ein. Ein besonderer Dank gilt allen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Helfern, dem Klinikpersonal sowie den Statisten für ihren Einsatz.